Hinhören oder Zuhören?

Hinhören oder Zuhören?
Wie findest Du meinen Beitrag

„Wer zu hören versteht, hört die Wahrheit heraus,
wer nicht zu hören versteht, hört nur Lärm.“

 

Hinhören bedeutet aktives Zuhören

In einer, regelmäßig wiederkehrenden Gesprächsrunde zu Fragen des Lebens durften ich lernen zuzuhören. Ein Redestab, in Form eines Adlers, zirkulierte in der Runde. Die Person die den Stab hatte durfte seinen Gedanken, seinen Gefühlen Ausdruck verleihen, die anderen, so auch ich, nutzten die Gelegenheit des Schweigens zum bewussten Zuhören und Hinhören. Aber hörte ich immer hin, verstand ich jeweils das Gesagte?
Das Hinhören verlangt bedeutend mehr Aufmerksamkeit als das Zuhören, geht tiefer und erzeugt direkte neue Erkenntnisse. Das Hinhören ist besonders wichtig, ja unabdingbares Momentum in der  Führung und der Erziehung.  Leader die verstehen hin zu hören, sind erfolgreicher im Motivieren ihrer Teams, haben weniger Konflikte, dies gilt auch im Umgang der Eltern mit ihren Kindern.

Zwischen den Zeilen lesen, zwischen den Worten hören

das Buch
Zwischen den Zeilen lesen

Die Redewendung „zwischen den Zeilen lesen“ hat ihren Ursprung im 19. JH. Sie ist wörtlich zu nehmen, dann in den mittelalterlichen Klöstern schrieben die Mönche im Text über die meist lateinischen Fremdwörter die deutsche Übersetzung (Interpretation). Wer den Text, ohne des Lateins mächtig zu sein verstehen wollte, musste zwischen den Zeilen lesen. Das „zwischen den Zeilen lesen“ hat  heute eine interpretative Bedeutung. Das Hinhören, obwohl  es auch Interpretativ verstanden werden kann hat eine weit tiefere Bedeutung auf die ich in den nächsten Abschnitten näher eingehe.

Hinhören versus Zuhören

Hinhören und zuhören besteht aus 2 Worten

Offene Ohren
Ohren offen und konzentriert

Verschlossene Ohren
Ohren zu, nicht fokussiert

In unserer Gesellschaft sind wir dermaßen von Lautreizen überschwemmt, dass wir die Fähigkeit des bewussten Hinhören wieder lernen müssen. Dauernd prasselt Musik, Gesprochenes, Nachrichten usw. auf uns ein, wir können gar nicht mehr aufnehmen, ja zum Teil ertragen wir die Stille nicht mehr, weil sie uns fremd geworden ist.

Höre ich zu, so bin ich konzentriert auf die gesprochenen Worte, versuche ich sie zu erfassen und mit meiner Perspektive, meinem Verständnis zu verstehen. Es sind die Worte nicht die Emotionen, Stimme oder Mimik des Sprechers  die bestimmend sind, ganz anders das Hinhören, Hinhören hat viel mit Hinsehen zu tun. Hinsehen auf die Körpersprache und hinhören auf die „Musik“ des Sprechenden, hin fühlen in seine Emotionen. In die gehörten Worte werden die Emotionen, Tonalität, Farbe und Klang der Stimme sowie die Mimik und Gestik, die Körpersprache des Sprechers mit einbezogen. Das für uns so wichtige Beobachten während dem Hören, das Erfassen der Körpersprache und der  Tonalität der Worte lernen wir bereits im Bauch der Mutter. Dies ist in unserem Unterbewusstsein wie ein Lexikon abgelegt. Bin ich mir dessen bewusst, bin ich achtsam, lernte ich das richtig hinhören, so erkenne und erfasse ich bewusst das Gesagte und kann es richtig interpretieren und verstehen.

Warum ist hinhören so wichtig

Wenn wir zuhören verstehen wir es immer so wie es für uns passend ist. Wir haben unbewusst Filter aufgesetzt und interpretieren das Gesagte entsprechend unserer Wahrnehmung. So kann jemand über etwas referieren, ein Zuhörer stellt eine Frage oder seine Interpretation in den Raum und wir gehen je nachdem wie unserer Filter ausgerichtet ist mit diesem Zuhörer oder mit dem Sprecher einig. Negative Erfahrungen oder vorhandene und oft gehörte Vorurteile werden sofort präsent und Warnlampen in uns aktiviert. Jetzt hören wir nur noch das, was unsere abgespeicherten Befürchtungen oder Warnungen bestätigt. Selbst wenn der Sprechen Dinge sachlich und positiv darlegt, erkennt unsere Wahrnehmung Fallen und Stolpersteine. Sind wir aber in der Aufmerksamkeit des Hinhören so erfassen wir den richtigen Gehalt der gesprochenen Worte.

Dies ist sehr wichtig bei Qualifikationsgesprächen, beim Entgegennehmen von Beanstandungen und beim Besprechen von Konflikten. Hier hinzuhören bedeutet in der Sachlichkeit zu bleiben und lösungsorientiert zu handeln. Es bedeutet zu verstehen und die Situation sachlich und ohne Emotionen zu erfassen.

Gewinne beim Zuhören

Als Teamleader, im Team

Team
Teamleader als offener Hinhörer

Ein Teamleader der hinhört erkennt die Probleme des Teams, hat ein offenes Ohr .

Hat der Vorgesetzte, Teamleader gelernt hin zu hören, so weiss er, dass er mit seinem gegenüber nur auf gleicher Höhe begegnen darf, dass er ihm, selbst wenn gravierende Fehler passierten mit Respekt begegnen muss. Der Mitarbeiter gewinnt so Ver- und Zutrauen und baut keine Angstbarriere auf. Jetzt erzählt er was alles schief lief und auch warum es aus seiner Perspektive passierte. Dieser Mitarbeiter gibt Hinweise auf Schwachstellen im Betrieb. Hört jetzt der Vorgesetzte hin, so nimmt er diese Hinweise auf, erkennt die Verbesserungen und kann so enorm profitieren. Der Mitarbeiter fühlt sich wohl, fasst ein grosses Vertrauen zu sich und zu seinem Chef und wird immer bereit sein Verbesserungen umzusetzen und zukünftige Fehler zu vermeiden.

Das Mitarbeitergespräch

Gespräch
Aufmerksamkeit beim Gespräch

Ein Mitarbeitergespräch auf gleicher höhe mit Wertschätzung und Respekt geführt ist immer erfolgreich und schafft Vertrauen

Mitarbeitergespräche sind eine sehr gute Sache sofern sie auf gleicher Höhe und emotionslos geführt werden. Doch wird gerade bei eher schwierigen Situationen vom Befehlshaber zum Soldaten gesprochen. Der Vorgesetzte steht unter Druck seiner Vorgesetzten, der Mitarbeiter steht unter Angst ggf. den Job zu verlieren, keine Lohnerhöhung zu erhalten usw. Was passiert: Der Vorgesetzte zählt alle, aus seiner Perspektive negativen Vorkommnisse auf, tadelt den Mitarbeiter und vergisst die Anerkennung. Der Mitarbeiter fängt an sich zu rechtfertigen, sucht nach Gründen warum dies oder jenes, dieser oder jener angebliche Fehler passierte. Am Ende sind beide frustriert und die nicht förderlichen Situationen werden in Kürze wieder eintreten. Ein Klima der Angst und Unterwürfigkeit wird etabliert.

Aktiver Zuhörer an Vorträgen oder im Gespräch 

Hörsaal
Zuhörer – Hörsaal

Als aktiver Zuhörer werden keine Geräte bedient, wird eine aufmerksame Haltung eingenommen und wenn ggf. Notizen gemacht, es wird notiert was gehört wurde, vom Gehörten Notiz nehmen

Gemäss Untersuchungen werden von einem gesprochenen Referat etwa 7 % erfasst und vielleicht verstanden, der Rest wird nicht wirklich wahrgenommen. Erst wenn der Sprecher entsprechend vortragen kann, also mit einer Mimik, seiner Stimme etc. das Gesprochene richtig in Szene setzt steigt die Wahrnehmung und die Aufnahme durch die Zuhörer. Ist aber der Zuhörer auch Hinhörer  erfasst er sehr viel mehr vom Vortrag. Ist dies der Fall erkennt er Hinweise, Tipps und Lösungen die in direkt weiter bringen oder den gehörten Stoff vertiefen und so besser in seinem Unterbewusstsein verankern.

Oft sehe ich Menschen, die immer und immer wieder ähnliche Seminare besuchen, viel Geld investieren aber keinen Schritt weiter kommen. Sie hören die Botschaften, sind begeistert aber können es im Leben nicht umsetzen. Sie haben nicht hingehört, haben das Gesprochene, das Gehörte nicht vertieft.

Beispiele

Seminareteilnehmer
In einer Seminarreihe erklärt der Vortragende jedes Mal, dass das was wir denken und fühlen unser Leben bestimmt, dass das was wir heute denken werden wir morgen sein.

So wie wir denken so sprechen wir,
so wie wir sprechen so handeln wir,
so wie wir handeln so leben wir.

Er führt Beispiele auf, Teilnehmer aus der Runde bestätigen es mit eigenen Erlebnissen, doch sehr wenige setzen es um, die meisten bleiben in ihren Denkmuster hängen, jammern und klagen, erzählen selten von freudigen Dingen.

Krankheiten, Leiden
Das Gleiche mit Krankheiten, der Frühling steht an und schon klagen alle über Frühjahrsmüdigkeit, über Allergien, Erkältungen usw. Erwiesenermaßen sind diese Vorkommnisse psychologischen Ursprungs. Natürlich hat es vermehrt Pollen, aber achten wir vermehrt auf unser Essen um gerade diesen Beschwerden vorzubeugen? Nein, dies obwohl  überall  darüber geschrieben und gesprochen wird. Es wird nicht hingehört.

Krisen, Gefahren, Arbeitslosigkeit
Wirtschaftskrisen, Umbruch zum digitalen Zeitalter. Alles hat Angst, klagt über den erwarteten Einbruch, erwartet Massenarbeitslosigkeit, dies obwohl gleichzeitig von grossen Chancen, von innovativen Möglichkeiten, geredet und geschrieben wird. Was passiert, alle haben Angst, wenige ergreifen die Chance, gehen neue Wege, öffnen sich und lernen neue Fähigkeiten, neue Berufe.

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

3 Affen
3 Affen

Nicht hinsehen, nicht hinhören, keine eigene Meinung haben, immer das Gleiche tun, das ist die Devise der grossen Masse. Alles läuft nach dem Moto der Affe sieht, der Affe tut.
Albert Einstein meinte dazu:

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es,
alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

Genau so verhält es sich beim nicht Hinhören. Dadurch dass das Gehörte nicht reflektiert wird, entsteht kein Impuls, kann kein Tun entstehen.

Kann ich das Hinhören wieder erlernen, in mir finden?

Die gute Nachricht, ja, jederzeit

Das Hinhören ist nicht verloren, nur verdrängt, in Vergessenheit geraten und es kann wieder gefunden, wieder gelernt werden. Dazu hilft ein tägliches Training, am besten geführt und begleitet, denn so macht es richtig Spass. Schon nach wenigen Tagen, Psychologen gehen davon aus, dass nach 3 Wochen ein totaler Wandel vollzogen ist, kann die Stille, die volle Wahrnehmung der Umwelt wieder erfolgen. Wie das geht und viel mehr erfährst Du hier, ich freue mich auf Dich

“Wer immer das Gleiche tut wird immer das gleiche erfahren,
wer nie auf einen Berg steigt wird nie erfahren wie es hinter dem Berg aussieht!”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?