Zwischen Originalität und Angepasstheit

Radieschen – verlockend, verführerisch, gesund

Beim Einkaufen ist mir heute ganz besonders das Radieschen ins Auge gesprungen. Mit seiner weiß-roten Knolle und den saftig-prallen Blättern hat es mich zum Kauf verleitet.

Woher das Radieschen ursprünglich stammt, weiß keiner so genau. Im 16. Jh. fand es in der französischen Küche Verwendung und wird seither in ganz Europa genutzt. Praktisch ist, dass es das ganze Jahr über zur Verfügung steht, ständig angepflanzt und geerntet werden kann.

Wie frisch sind die Radieschen?

Wir kennen die Radieschen als rote runde Kugel, die bis zu etwa vier Zentimeter dick werden kann. Doch es gibt Radieschen auch in länglich-ovalen Formen mit weinroter, gelber oder weißer Schale. Wie frisch die Radieschen sind, erkennt man am Blattwerk. Das sollte saftig grün sein. Wenn es gelb verfärbt oder welk ist, sind die Radieschen schon etwas älter. Die Radieschenknolle selbst sollte prall und hart sein und keine Risse aufweisen. Am besten hilft ein Drucktest. Haben die Wurzeln Dellen oder beginnen die Blätter zu welken, gehören sie nicht mehr auf den Teller.

Wie baut man Radieschen an?

Das Radieschen kann ganzjährig angepflanzt werden. Die Aussaat der Frühjahrssorten erfolgt im März und April im Freiland im Folientunnel. Nach vier bis sechs Wochen wird geerntet. Ab Mai werden Sommersorten gesät. Die Herbst- und Winteraussaaten geschehen im Gewächshaus, wo das Radieschen jedoch zehn Wochen bis zur Reife benötigt.

Wer keinen Garten hat, kann die Radieschen in einem Pflanzkübel wachsen lassen. Die Samen werden im Abstand von etwa drei Zentimetern in den Boden eingebracht.

Freilandradieschen schmecken schärfer als Treibhausware und sind dadurch gesunder.

Radieschenpflanzen sollten täglich gegossen werden. Trockenheit wirkt sich negativ auf den Geschmack und die Konsistenz aus. Wenn man zu lange mit der Ernte wartet, verholzt die Knolle und der Geschmack leidet.

Wie lagert man Radieschen?

Zur Lagerung trennt man am besten die Blätter von der Knolle. Sonst ziehen die Blätter das gespeicherte Wasser aus der Knolle. Die Blätter bleiben länger grün, die Kugel jedoch schrumpelt durch Wasserverlust. Im Kühlschrank lassen sich Radieschen zwei bis drei Tage lang gut im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahren. Die gewaschenen Wurzelknollen werden dazu entweder in einem feuchten Tuch oder in eine verschlossene Dose gepackt.

Tipp: Wenn die Radieschen durch Lagerung im Kühlschrank ganz leicht schrumpelig geworden sind, werden sie nach einem Bad in kaltem Wasser wieder knackig.

Warum sind Radieschen gesund?

Radieschen eignen sich optimal für eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Mit nur 14 kcal für 100 g, verfügen die Radieschen über ein Wassergehalt von 94 Prozent und einem hohen Anteil an wertvollen Vitalstoffen, z. B. Vitamine A, B1, B2 und C, Folsäure und Mineralstoffe Eisen, Calcium und Kalium.

Der Vollständigkeit wegen sei erwähnt, dass der wissenschaftliche Name des Radieschen Raphanus sativus ist und das es zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) gehört.

Den typischen scharfen Geschmack verdankt das Radieschen seinem Senföl, dem Sulforaphen.

Wegen des Senföls, wirkt das Radieschen:

  1. bakteriostatisch, d. h. es hemmt die Ausbreitung der Bakterien,
  2. bakteriozid (hochdosiert), d. h. es tötet Bakterien ab z. B. Staphylokokken, Streptokokken, Enterokokken, Acinetobacter, E. coli, Proteus, Enterobacter, H. influenzae,
  3. virostatisch, d. h. es stoppt die Ausbreitung der Viren, z. B. Rhinoviren, Influenza,
  4. antimykotisch, d. h. die Pilzbildung abwehrend, z. B. Candida, Schimmelpilze,
  5. antioxidativ, d. h. es schützt die Zellen gegen oxidativen Stress,
  6. entgiftend, entschlackend.

Indem man seinen täglichen Konsum von Radieschen erhöht, kann man manche Erkrankung abwehren. Aber für bereits erkrankte Patienten mit Sinusitis, Bronchitis oder Harnwegsinfekten, usw. reicht der Verzehr von Radieschen nicht aus, dafür sind gepresste Senföle geeignet.

Siehe Addendum „Exkursion Senföl“ Ende des Beitrages

Verzehr

Die ganze Radieschenpflanze ist zum Verzehr geeignet: Sprossen, Knollen und Blätter.

Die Radieschensprossen

Radieschensprossen eignen sich roh am besten zum Verzehr. In Salat untergemischt, auf ein belegtes Brot, mit etwas Kräutersalz, eignen sie sich gut zur Brotzeit. Man kann sie auch auf eine Cremesuppe streuen, zusammen mit frischen Kräutern.

Die Radieschenknolle

In Scheiben oder Streifen geschnitten oder geraspelt werden die Radieschenknollen gerne roh verzehrt. Sie können Blatt- oder gemischten Salaten beigemischt werden. Aber sie eignen sich auch sehr gut zu Variationen von Kartoffel- und Nudelsalat. Mit Quark oder Frischkäse gemischt, kann man mit geraspelten Radieschen und frischen Kräutern leckere Dippe herstellen. Meersalz oder Kräutersalz mildert etwas den Geschmack.

Die Radieschenblätter

Die rohen Blätter kann man, ähnlich wie Kräuter, mit verschiedenen Blattsalatsorten zu leckeren Salate mischen. Natürlich passen sie auch in die Schüssel mit gemischtem Salat. Sie eignen sich zum Verfeinern von Suppen und Soßen. Sogar Pesto kann man aus den Radieschenblättern zubereiten. Die Blätter können aber auch gekocht werden. Zum Beispiel kann man aus Radieschenblättern alles kochen, was man mit Spinat zubereitet: Suppe, Gemüse, Lasagne, Pizza, …

Aus der Radieschenpflanze, als Ganzes, kann ein Radieschen-Smoothie mit Kresse gezaubert werden.

 

 

Exkursion Senföl

Was ist Senföl?

Senföl ist eine Substanz in Pflanzen, die der Pflanze als Abwehrstoff dient gegen Pilzbefall und Tierfraß. Es erscheint in Form von dem sogenannten Senfölgylcosid. Senföle können stechend riechende Verbindungen sein (z.B. Allylsenföl, sekundäre Butyl- und Benzylsenföle), die den Pflanzenfeind durch den Geruch fernhalten oder geruchlose Substanzen die durch den scharfem Geschmack wirken (z.B. p-Hydroxybenzylsenföle). Letztere findet man in Pflanzen wie z. B. Senfsamen, Meerrettich,  Kresse, Rettich, Radieschen. Diese Planzen verdanken ihre Beliebtheit dem pikant-scharfen Geschmack der Senföle, die beim Verzehr frei werden.

Senföl, ein Heilmittel

Senföle gelten in der Naturheilkunde als Heilmittel. Sie werden hauptsächlich gegen Bakterien, Viren, Pilze, Entzündungen und Krebs verwendet und auf der Haut blasenziehend.

Es gibt Studien, die sich mit der therapeutischen Wirksamkeit der Senföle auseinandergesetzt haben. Diese beweisen, dass Senföle Bakterien bei Harn- und Atemwegsinfektionen hemmen können. Sie lindern bei Magen-Darm-Verstimmungen, regen die Verdauung an und unterstützen die Abwehrarbeit des Körpers in Bezug auf Pilzen und Viren.

Ebenfalls ist die antioxidative Wirkung der Senföle auf Zellebene bewiesen.

Auf der Grundlage, dass es den Gluthathion-Spiegel erhöht, untersuchen manche Studien die Wirkung der Senföle auf Krebszellen. Aus diesen Studien ist ersichtlich, dass Sulforaphan eine entgiftende Eigenschaft hat und die Bildung von karzinogen-induzierten DNA-Addukten verhindert, welche z. B. durch heterozyklische  Amine hervorgerufen wird, die beim Grillen, Braten, Frittieren und Backen entstehen. Das heißt, Senföl kann gegen Krebsbildung schützen, Entzündungsprozesse und Tumorfortschreiten hemmen, weil es die Aktivität des übergeordneten Entzündungsmediators NF-B reduziert. Ebenfalls belegen Studien, dass die besonders therapieresistenten Krebsstammzellen von Sulforaphen angegriffen werden, was die höhere Wirksamkeit der Chemotherapeutika zur Folge haben kann. Dies wurde bisher bei Studien in Therapie des Pankreas-, Mamma- und Prostatakarzinoms experimentiert.

 

Quellen:

“Phytomedizin: Traditionelles Wissen modern genutzt”, 6. Juli 2005, Kloster Kamp, Kamp-Lintfort; Repha

https://oelerini.com/senfoel

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/MolOnkoChir/Presse/AktuGesuNa-8_Artikel.pdf

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.